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Zum interkulturellen Verständnis:
 
Das französische Schulsystem
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vonbis

Ganz allgemein kann man sagen, dass das französische Schulsystem stark zentralisiert ist. Dies spiegelt sich auf mehreren Ebenen wider:
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Académie: Der wichtigste Träger des Bildungswesens ist der Staat. Dem zentralen Erziehungsministerium unterstehen etwa 80% oder fast 75000 Schulen direkter Tragerschaft. /Die staatliche Schulverwaltung ist immer noch stark zentralisiert. Das Ministère de l'Education Nationale (das französische Bildungsministerium / Erziehungsministerium / Ministerium für Nationale Bildung) in Paris ist die oberste nationale Ebene. Darunter gibt es 28 regionale Schulverwaltungsbezirke, eben die so genannten Académies, an deren Spitze ein von der Regierung ernannter Recteur d'académie steht. Er vertritt den Minister auf regionaler Ebene und ist für die Gesamtheit des Bildungswesens in seinem Bezirk verantwortlich.
Assistance pour les réseaux informatique: Schulnetzservice, Schulnetzberatung  
     
Brevet des collèges:
Abschluss der Sekundarstufe I am Ende der 3ème (9. Klasse, Mittlere Reife)  
Baccalauréats généraux: allgemeinbildende Abiturtypen:  
Bac L: L wie Littéraire :
neu- bzw. altsprachliches Abitur mit Schwerpunkten Literatur und Sprachen
 
Bac ES: ES wie Économie et social:
Wirtschaft und Sozialwissenschaft
 
Bac S: S wie Scientifique:
mathematisch naturwissenschaftliches Abitur
 
Baccalauréats technologiques (STT): technische Abiturtypen / Fachabitur. Doppelqualifikation, bestehend aus einer Technikerqualifikation und der allgemeinen Hochschulreife / doppelqualifizierende Zweige  
Bac ACA: ACA wie Action Communication Administratives:
Bürokommunikation (+ Betriebswirtschaft und Recht)
 
Bac CG: C wie Comptabilité und G wie Gestion:
Buchhaltung
 
     
BTS:

wie Brevet de Technicien Supérieur
berufsbezogene 2jähriger Kurzstudiengänge (in Frankreich gibt es keine Fachhochschulen wie in Deutschland) und führt zu einem so genannten Bac+2-Abschluss. Bei den BTS handelt es sich, anders als der Name dies vermuten lässt, nicht nur um techische Ausbildungsgänge, sondern es gibt auch BTS im naturwissenschaftlichen und kaufmännischen Bereich (man denke dabei z.B. an unser BTS Commerce international = Aussenhandelskaufmann)

Was ausländische Beobachter immer wieder erstaunt ist die Tatsache, dass diese BTS in den Lycées und nicht an der Uni vorbereitet werden, und wenn, dann nur an den Universités technologiques (IUT = Instiuts Universitatires de Technolige), wo sie unter dem Namen DUT (Diplôme universitaire de technologie) laufen.

In beiden Fällen handelt es sich um den Lycées oder Universitäten eingegliederte Organisationseinheiten, die eigene Zuslassungsbedingungen, Studienstrukturen und Abschlussqualifikationen haben. Es handelt sich um fachhochschulähnliche Einrichtungen, die eine berufsorientierte zweijährige Ausbildung anbieten.

Höhere Technikerausbildung, setzt den Besitz des Baccalauréat voraus. Kurzstudiengang /berufsbezogene Kurzstudiengänge (In F gibt es keine eigentlichen Fachhochschulen wie in D). Steht sowohl Schülern mit technologischem als auch allgemeinbildendem Abiturtypus offen.

 
BTS Commerce international: 2-jährige Ausbildung nach bestandenem Abitur (= Zulassungsbedingung) zum/r Außenhandelskaufmann/frau mit 2 obligatorischen Fremdsprachen. Staatlich anerkanntes Diplom.  
  BTS Assistant trilingue: 2 jährige Ausbildung nach bestandenem Abitur (= Zulassungzsbedingung) zum/r qualifizierten FremdsprachenkorrespondentIn / EuropasekretärIn mit 2 Fremdsprachen. Staatlich anerkanntes Diplom.  
  BTS Professions immobilières: 2 jährige Ausbildung zu verschiedenen Berufen rund um den Immobilienmarkt nach bestandenem Abitur (= Zusalssungsbedingung). 1 obligatorische Fremdsprache (bei uns ist es Englisch). Staatlich anerkanntes Diplom.  
  BTS Assistant de direction: 2 jährige Ausbildung zur qualifizierten ?? mit einer obligatorischen Fremdsprache (bei uns ist es Englisch). Staatlich anerkanntes Diplom.  
     
Collège /
Collégiens:
Sekundarstufe I, dauert 4 Jahre = gemeinsamer, nicht-selektiver Sekundarschultyp: 6ème /5ème / 4ème / 3ème. Der Abschluss dieser Sekundarstufe I ist das so gennante Brevet des Collèges (Mittlere Reife). Eine Verzweigung in allgemeinbildende, technische un berufsbildende Ausbildungsgängen findet erst nach dieser Stufe statt.  
Classes préparatioirs: bereiten auf die Aufnahme in die Grandes Ecoles vor  
CIDJ: wie Centre d'information et de documentation Jeunesse
Es handelt sich um einen im Jahre 1969 auf Initiative des französischen Jugend- und Sportministeriums hin gegründeten Verein. Hier können Jugendliche kostenlos Informationen bekommen über so ziemlich alles, was sie interessiert
 
Concours: Wettbewerbsprüfung  
Conseillère d'orientation: Orientierungsberater  
Conseil d'administration: Schulverwaltungsrat  
Conseil de discipline:    
Conseil de vie lycéenne: (CVL)  
CRDP wie Centre régional de documentation pédagogique  
CPE:
wie Conseiller principal d'éducation  
     
Enseignement de spécialité:
Die eigentliche curriculare Differenzierung beginnt in der Première (11.Klasse) / In der Première habe ich neben dem tronc de matière imposé à tous (Standardcurriculum) die Möglichkeit, das in der Seconde gewählte obligatorische Wahlfach wieder zu belegen, diesmal cumulable mit einem "normalen" Fach. Hier handelt es sich wiederum um ein Wahlpflichtfach. Daneben: Möglichkeit, ein fakultatives Wahlfach zu belegen.  
Foyer socio-éducatif:    
     
     
Grandes Ecoles:
Neben den Universitäten gibt es seit dem Ende des 18. Jahrhunderts die Grandes Ecoles als Spezialhochschulen vor allem im Bereich der Ingenieurausbildung und der Wirtschaft. Die leistungsstärksten Abiturienten streben die Aufnahme in die Vorbereituungsklassen (prépa = Classes préparatoires des Grandes Ecoles = CPGE) an. Wenn sie die schwierige Auswahlprüfung bestanden haben, können sie die Grande Ecole integrieren. Für eine Grande Ecole (stehen an der Spitze des Bildungswesens, Eliteschulen, concours = Wettbewerbsprüfung. Der Begriff bedeutet, dass nur so viele Bewerber erfolgreich sein können, wie Studienplätze zur Verfügung stehen. / auch: Auswahlwettbewerb = meritokratische Prinzip (Leistung) nach dem revolutionärer Impetus des Gleichheitsprinzips (égalité)  
     
IUT:    
Licence: Ein universitäres, auf ein Unterrichtsfach bezogenes Fachstudium von mindestens drei Jahren, das mit dem Erwerb der Licence abzuschliessen ist (die nach drei Jahren erworbenen Licence wäre in der anglo-amerikanischen Sicht auf dem Niveau des B.A. anzusiedeln!)  
     
Lycée/
Lycéens :

Nach der gemeinsamen, nicht-selektiven Sekundarstufe I (collège) findet nun eine strukturelle wie curriculare Ausdifferenzierung der Bildungsgänge statt. In der Sekundarstufe II (lycée) gibt's eine Verzweigung in allgemeinbildende (général), technische (technologique) und berufsbildende Ausbildungsgänge mit zahlreichen internen Kombinationsmöglichkeiten.
- Im klassischen allgemeinbildenden Zweig steht die Erziehung zu abstraktem Denken im Vordergrund. Nach einer gemeinsamen Seconde findet je nach Interesse und Leistung eine Auffächerung in 3 verschiedene Séries statt, die entsprechend zu 3 verschiedenen allgemeinbildenden Abiturkategorien führen:
- L mit dem Schwerpunkt auf literarisch/neusprachlichen Fächern
- ES mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Sozialwissenschaft und
- S mit dem Schwerpunkt auf mathematisch/naturwissenschaftlichen Fächern.

- Der technische Weg verläuft entweder in einem Lycée d'enseignement général ou technologique - wie der offizielle Name des Lycée Maurice RAVEL lautet - oder an einem stärker spezialisiserten Lycée technologique/technique. Hier verbindet sich die Vermittlung von Allgemeinbildung mit der Aneignung von fachtheoretischen und fachpraktischen Stoffinhalten. Wiederum nach einer gemeinsamen Seconde findet je nach Interesse und Leistung eine Auffächerung in 3 verschiedene Séries statt, die entsprechend zu verschiedenen fachgebundenen Abiturkategorien führen: Im Lycée Maurice Ravel haben wir die Zweige STT (= science et technologies tertiaires) und STI (= sciences et technologies industrielles), wobei sich die Série STT ihrerseits in die 3 folgenden Ausbildungsgänge auffächert:
- ACA
- ACC und
- CG
die zu den entsprechenden Abiturtypen führen.

Die Unterrichtsinhalte sind in für das ganze nationale Territorium verbindlichen Lerhplänen festgelegt.

 

Seconde
1ère
Terminale

entspricht der 10.-12. Klasse im deutschen Gymnasium

     
Maison du lycéen:    
Mentions:

Das franzöische Notensystem reicht von 1 bis 20, wobei 20 die besten Note ist. Muss der Druchschnitt erreicht sein, so muss der Schüler demnach mindestens eine 10 haben.
Bei einem Notendurchschnitt von 12 - 13 erhält der Schüler/die Schülerin vom Lehrer oder von der Prüfungskommission (auch am Abi) das Prädikat "assez bien", was soviel wie ziemlich gut bedeutet hin
Der Notendurchschnitt 14 - 15 enspricht der Bewertung "bien", also gut und ab Note 6 im Durchschnitt steht "très bien", was sehr gut entspricht.

Diese Mention ist in Frankreich insofern von Bedeutung, als sich Schulen (oder Unternehmen) bei der Bewerberauswahl natürlich zunächt die Kandidaten mit der besten Mention herauspicken.

 
     
"Mensa":
Vermutlich auf Grund der Tatsache, dass in Frankreich schon seit Jahrzehnten die meisten Mütter berufstätig sind, gibt es hier vom Kindergarten bis zur Abi-Klasse durchgehend Ganztagsschulen mit schuleigener Kantine, wo Kinder, Schüler, Studenten und Lehrer zu Mittagessen können. (Dafür haben sie dann aber auch nachmittags Unterricht...)  
     
     
Onisep: wie Organisation natioanl d'information sur les enseignements et les professions
Mit den deutschen BIZ vergleichbar
 
     
Options:

In der Seconde (11. Klasse) handelt es sich um Wahlpflichtfächer. Neben den landesweit zentral festgelegten Pflichtfächern müssen die Schüler hier eines der aufgeführten Fächer belegen, wobei sie aber die Möglichkeit haben, sich für ein Fach zu entscheiden, das ihren Fähigkeiten und Neigungen besonders entspricht. Daneben können sie noch freiwillig ein weiteres Fach belegen.

In beiden Fällen muss es aber ein Fach sein, das ich nicht auf Grund des obligatorischen Lehrplans bereits belege!

 
     
Projet d'établissement: Schulentwicklungspläne. / Festlegung des Schulprofils / individuelles Profil der Schule. Die Lockerung der Stundenplanvorschriften > Die Verteilung des Gesamtstundenvolumens sollte dem jeweiligen Schulprogramm (Schulentwicklungsplan, der das individuelle Profil der Schule bestimmt - projet d'étblissement) angepasst werden können. Für alle Fächer werden Minimal- und Maximalstundenzahlen angegeben, zwischen denen sich die Schulen frei bewegen dürfen. (so z.B. in der Muttersprache zwischen 4 und 5 1/2 Wochenstunden, in Mathematik zwischen 3 und 4,5 Wochenstunden, usw.)
"Die zentrale Lehrplanstruktur (programme nationaux) wird gesetzlich fortgeschrieben, allerdings soll als Neuerung das Verfahren der Curriculumerarbeitung durch die Schulaufsicht durch die Vorarbeiten eines unabhängigen Expertengremiums ergänzt werden. Die einzelnen Schulen sollen in deutlicher Abweichung vom bisherigen rein zentralistischen Modell individuelle Schulentwicklungspläne (projets d'établissement) aufstellen, die eine individuelle Profilierung der Schule ermöglichen sollen. Nach dem Wortlaut des Gesetzes sollen diese Schulprofile allerdings die spezifische Umsetzung der nationalen Zielsetzung zum Gegenstand haben."
 
     
Principal:
Schulleiter des Collège. Das Collège (Sekundastufe I) wird von einem (professeur) principal geleitet, der gemäß des ambivalenten Autonomiestatus seiner Einrichtung eine doppelte Funktion hat: einersetis ist er vom Bildungsminister ernannter Vertreter des Zentralstaates und damit für die Ausführung der staatlichen Regelungen verantworltich, andererseits ist er ausführendes Organ der Beschlüsse des Vewaltungsrats (conseil d'administration = Schulkonferenz), also des "Parlaments" der Schule, dessen Vorsitzender er ist.  
     
Seconde générale: enspricht in Deutschland der 10 Klasse. Hier hat bereits eine erste Aufgliederung stattgefunden (allgemeinbildende/technische : berufliche, meist vollzeitschulische Ausbildungsgänge). Es kommt jedoch erst nach der Seconde, in der Première (11. Klasse) zu einer weiteren Auffächerung zwischen den zu allgemeinbildenden bzw. technischen Abiturtypen führenden Schulzweigen.  
     
Terrminale: 12. Schulklasse in D, also 1 Jahr vor dem Abi, in Frankreich bereits Abi-Klasse  
Textes officiels:    
Tice: wie Technologies de l'information et de la communication pour l'enseignement  
     
     
     
  Schulkonferenz= Conseil d'administration = Verwaltungsrat der Schule
     
     
Quellen: Wolfgang Hörner, Struktur und pädagogisches Konzept der 5. und 6. Schuljahrgangsstufen in Frankreich : http://q-netz.nibis.de/mk/sammlung/OECD und dann auf Frankreich 01.pdf klicken.
In der Serie: Beiträge zum Forschungsprojekt Orientierungsstufe Niedersachsen.
Sehr interessant mit höchst umfangreicher Bibliografie!
 
  DIPF: Bildungswesen in Frankreich http://www.educat.hu-berlin.de  
  http://www.education.gouv.fr (mit zahlreichen Verzweigungen)
- Wenn Sie mehr über das Collège unique wissen möchten (Fächer, Curriculae, etc.) http://www.education.gouv.fr/syst/orgs41b.htm
- Wenn Sie mehr über das Lycée d'enseignement général et technologique erfahren möchten: http://www.education.gouv.fr/syst/orgs42b.htm
 
  http://www.google.fr puis Système scolaire français> die Qual der Wahl...